Vom heilsamen Umgang mit Worten

Schreiben als Weg

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von GastautorIn

Früher in der Schule schrieben wir, weil das Schreiben von uns gefordert wurde. Es gehörte untrennbar zu unserem Alltag. Fast undenkbar erscheint es heute, dass es seinerzeit sogar Noten für die „Schönschrift“ gab. Unser Schreiben stand unter Aufsicht, wurde gemessen an anderen, unterlag Regeln und wurde bewertet. Ohne das wir es bemerkten, wurde unser Ausdruck geformt, beschränkt, mit gut und schlecht, richtig oder falsch beurteilt und dadurch in Bahnen gelenkt, die der Norm entsprachen. Die Folge: Durch ein Zuviel an Vorgaben verkümmert der Selbstausdruck oder kann sich gar nicht erst entfalten. Wir verlieren den Mut uns schriftlich auszuprobieren und glauben letztlich – ohne konkrete Vorgaben – nicht Schreiben zu können.

Schreiben mit der Hand? Eine Rarität

Auch das Schreiben hat sich mit den Jahren verändert, das kommt den mutlosen Schreibenden entgegen. Ein handgeschriebener Brief hat Seltenheitswert, eine Postkarte ist zu einer Rarität geworden. Stattdessen gibt es eine Fülle von Kurznachrichten, von denen wir manche nur mit Hilfe des Internets entschlüsseln können. Die schriftliche Kommunikation ist auf Buchstabenniveau geschrumpft.  Doch warum bleiben die Buchstaben, die die Worte, den Sinn, den Duft zwischen den Zeilen bilden auf der Strecke? Beschneiden wir uns nicht selbst - unseres persönlichen Ausdrucks - wenn wir Platzhalter verwenden und die Worte bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln?

Jedem Wort nachlauschen

Für mich hat jedes Wort eine Bedeutung, eine Schwingung, einen Klang. Ich kann nicht „kurz“, denn es macht mir Freude mich den Worten zu widmen – jedem einzelnen. Ich betrachte Worte gern genau, spiele mit ihnen. So zum Beispiel mit dem Wort „mit“. Was impliziert dieses kleine verbindende Wörtchen? Wo kann ich es finden?  Was will es ausdrücken?  Was kann es mir sagen? Wie und wo kann ich es verwenden? Zum Beispiel in mit-machen, mit-helfen, mit-tendrin oder in mit gehangen, mit gefangen. Ein verbindendes Wort, das zusammenführt, so wie das Wort Mitsein, einer Neuschöpfung, die das Mit-einander stärkt. Schreiben, ist das Spiel mit Worten im Selbst!

Vor vielen Jahren, lange bevor der erste Gedanke aufkeimte ein Buch zu schreiben, schrieb ich Tagebuch, allerdings keines im klassischen Sinne. Ich schrieb z.B. nicht, dass meine Mama gerade mit mir geschimpft hat, weil ich drei Stunden lang mit meiner Freundin telefonierte, obwohl wir doch den ganzen Morgen zusammen in der Schule verbracht hatten. Stattdessen schrieb ich, wie ich mich fühlte, wenn sie mit mir schimpfte. „Ich bin traurig und fühle mich schlecht und nutzlos. In meiner Brust liegt so etwas wie ein Stein, weil Mama immer wieder sagt, dass ich faul bin, wenn ich so lange telefoniere.“

Schreiben und Selbsterkenntnis

Ohne zu ahnen, was ich tat, begann ich mich schreibend selbst wahrzunehmen und machte das, was ich fühlte sichtbar. Schon damals habe ich, ohne es zu wissen bereits ein „emotionales Tagebuch“ geführt. Ein Weg der Selbstbegegnung, den ich heute gerne empfehle. Durch das Schreiben habe ich mich immer besser kennengelernt. Ich wurde mir selbst deutlicher, klarer – nur durch meine eigenen Worte. Ich lernte mich zu verstehen. Irgendwann wurden meine Reaktionen vorhersehbarer und ich begann zu entscheiden, ob ich auf die immer gleiche Weise reagieren möchte. Ich entschied mich Neues zu probieren und brachte auch das zu Papier, entwickelte so schriftlich erste Strategien und Lösungswege. Niemand bewertete das, was ich tat, denn ich tat es ausschließlich für mich und entdeckte eine bis dahin ungeahnte Leichtigkeit mit Worten und Sätzen zu spielen.

Schreiben kann ein Weg sein – es ist zu meinem geworden. Heute schreibe ich gern und viel, habe die Vielfalt des Ausdrucks in mir entdeckt und zu schätzen gelernt. Entweder ich konzentriere mich auf ein Thema oder ich gebe mich dem Schreiben einfach hin. Oft bin ich erstaunt, was ohne ein konkretes Ziel zu verfolgen zum Vorschein kommt. Neugierig lese ich mich selbst und entdecke mich im Geschriebenen immer wieder neu. Tauche ein in eine Welt, die in den Worten und vor allem auch zwischen den Zeilen klingt.

Das Schreiben hat einen großen Stellenwert in meinem Leben eingenommen und erfüllt mich mit Begeisterung. Es ist zu einer Leidenschaft geworden, einer Freude, die ich vermisse, sobald mich die vermeintlichen wichtigeren Dinge des Lebens davon abhalten.

Mehr zur Schreibbegeisterung unter: www.schreib-vielfalt.de

Ein Artikel von Alexa Förster

Heilpraktikerin, Autorin, Dipl.Sozialpädagogin, Physiotherapeutin

Praxis für Resonanzmedizin

Apfelstrasse 12b
33613 Bielefeld

www.praxis-fuer-resonanzmedizin.de

 

 

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