NHV Theophrastus kürt die Heilpflanze des kommenden Jahres

Johanniskraut - "Heilpflanze des Jahres 2019"

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von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

Wenn die Sonne am höchsten steht, blüht das Johanniskraut. Seine zarten, goldgelben Blüten strahlen wie die Sonne selbst. Mit den feinen, halbkugelförmigen Blütenständen, die breit gefächert über der Blüte angeordnet sind, nimmt das Johanniskraut jeden einzelnen Lichtstrahl begierig in sich auf. Pflücken wir eine dieser Blüten und zerreiben diese zwischen unseren Fingern, tritt blutroter Pflanzensaft aus.

Licht- und Sonnenpflanze Johanniskraut

Licht nährt alles Sein im Universum. Unter den Heilpflanzen gibt es ein Kraut, das besonders mit Licht und Sonne assoziiert wird: das Johanniskraut. Wie keine zweite Pflanze weiß Johanniskraut das Licht in sich aufzunehmen und an den Menschen weiterzugeben. Es erleuchtet uns quasi von innen. Seine leuchtenden Blüten sollen einer Sage nach möglichst am 24. Juni geerntet werden, am Johannistag, dem die Heilpflanze ihren Namen verdankt. Zu welcher Zeit ließe sich also besser des Johanniskrauts gedenken als im Juni, dem Monat, den auch der NHV Theophrastus wählte, um das bekannte Kraut zur "Heilpflanze des Jahres 2019" zu küren? Heilpraktikerin Christina Schäfer, Vorsitzende der Jury des NHV Thephrastus, begründete diese Entscheidung des Vereins wie folgt:

„Eine Heilpflanze, die so eine Odyssee durchlebt und durchlitten hat, verdient es, wiederholt gewürdigt und unter verschiedenen Aspekten der Naturheilkunde betrachtet zu werden, auch wenn sie bereits Arzneipflanze des Jahres 2015 war. Der NHV Theophrastus möchte mit dieser Kür das Vertrauen der Menschen in diese altbewährte Heilpflanze stärken.“

Heilkraut und Zauberpflanze

Seit Menschengedenken fasziniert Heilkundige das Johanniskraut (Hypericum perforatum). Zahlreiche Namen wurden der Heilpflanze gegeben, die durchaus Schlüsse auf ihren Gebrauch zulassen. "Mannskraut" oder "Hexenkraut", wie die Pflanze im vorchristlichen Mittelalter genannt wurde, erinnert an magische Rituale. Zur Sommersonnenwende wurden Johanniskraut-Zweige zum Schutz vor bösen Geistern gepflückt. Im christianisierten Europa erhielt das Heilkraut aufgrund ihres blutroten Pflanzensaftes schließlich bedeutsame Namen wie "Herrgottsblut" oder "Christusblut", ohne dass die heidnisch-magischen Rituale aufgegeben wurden. Vielmehr wurde mit dem Kraut Hexenspuk und Teufelsmächte der Garaus gemacht.

Allheilmittel für Körper und Seele

Dioskurides (1. Jahrhundert nach Christus), der berühmte Arzt des Altertums, macht in seiner Arzneimittellehre detaillierte Angaben zum Einsatz des Johanniskrauts. Dabei reicht das Heilspektrum vom fiebersenkenden Mittel über harntreibende und menstruationsfördernde Kräfte bis hin zum heilenden Umschlag bei Ischias-Beschwerden oder Brandwunden. 15 Jahrhunderte später lobt Paracelsus (1493-1541) das Johanniskraut in höchsten Tönen als die beste Arznei bei Wunden, Brüchen und Quetschungen, aber auch bei seelischen Erkrankungen.

Auch Sebastian Kneipp (1821-1897) wusste die Heilkraft der Pflanze zu schätzen. Selbst hergestelltes Johanniskrautöl (Rotöl) zur Behandlung von Hexenschuss, rheumatischen Erkrankungen, Gicht oder Verrenkungen, zur inneren Anwendung bei Leibschmerzen oder Verschleimung der Brust und Lunge sollte laut Kneipp in keiner Hausapotheke fehlen.
Auch heute noch wird Johanniskrautöl (Oleum Hyperici), auch Rotöl genannt, äußerlich als Wundheilmittel empfohlen, mit dem sich Muskelschmerzen (Myalgien), Verletzungen, Wundliegen (Dekubitus) oder Verbrennungen ersten Grades lindern lassen. Innerlich wird die Heilpflanze unter anderem bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen angewendet. Zudem soll es bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden gute Hilfe leisten.

Da bei vielen Menschen noch immer Unsicherheit über die genaue Wirkung sowie die Neben- und Wechselwirkungen des Johanniskrauts besteht, begründete Christina Schäfer ihre Entscheidung für die Wahl des Johanniskrauts zur Heilpflanze des Jahres 2019 wie folgt:

„Eine Heilpflanze, die so eine Odyssee durchlebt und durchlitten hat, verdient es, wiederholt gewürdigt und unter verschiedenen Aspekten der Naturheilkunde betrachtet zu werden, auch wenn sie bereits Arzneipflanze des Jahres 2015 war. Der NHV Theophrastus möchte mit dieser Kür das Vertrauen der Menschen in diese altbewährte Heilpflanze stärken.“

 

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