Über die Geschichte der Massage

Berührung, die Ur-Behandlung

von GastautorIn

Die positive Wirkung von Berührung beruht auf einem komplexen Zusammenspiel physiologischer, biochemischer sowie psychologischer Faktoren. Die Natur hat unsere Empfänglichkeit für diesen Sinnesreiz als so wichtig erachtet, dass sie uns mit einem aufwändigen Empfängersystem ausgestattet hat. Schön wäre es nun, wenn jeder Mensch auch in reichem Maße mit »Futter« für dieses System beschenkt würde. Leider ist dies jedoch nicht der Fall. Aus unterschiedlichsten Gründen erleben Menschen eher einen Mangel, einen »Hunger«, nach dieser sinnlichen Erfahrung. So, wie die positive Energie unserer Hände heilsam wirken kann, schwächt uns ein Mangel an Berührung.

Heilsame Berührung mit vielerlei Wirkung

Diese uralte Erfahrung der Menschheit führte zur Entstehung des wohl ältesten »Heilmittels« für Körper, Geist und Seele, der Entwicklung systematischer Berührungen in Form von Massage. Mit Massage drucken wir unsere Liebe zu unseren Mitmenschen aus, schenken Wohlbefinden und erfahren als Empfangender Nähe und Geborgenheit. Für den Gebenden wie auch für den Empfangenden kann Massage alles sein: Wellness, Therapie oder sie kann Form einer Meditation sein, ein Tor zu spiritueller Erfahrung. Die Wirkmechanismen von Berührung auf Körper, Geist und Psyche sind umfangreich und vielschichtig.

Heilmassage in alten Kulturen

Die ältesten schriftlichen Anweisungen für Heilmassagen entstanden vor ca. 5.000–6.000 Jahren in Indien (Ayurveda) und China (Traditionelle Chinesische Medizin /TCM). Aus dem Drucken und Reiben spezieller Punkte (Akupressur) entwickelte sich sowohl die Akupunktur als auch später die Hiatus-Methode (Japan). Massagen waren zugleich häufig ein Versuch, krankmachende Dämonen auszutreiben und wurden deshalb ursprünglich in vielen Kulturen von Heilerinnen (Hawaiianische Massage) und Medizinmännern zusammen mit magischen Handlungen durchgeführt. Auf ägyptischen Tongefäßen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus finden sich Abbildungen von Massagetechniken. Über den Mittelmeerraum gelangten die östlichen Kenntnisse allmählich nach Europa. Im antiken Griechenland wurden dann Massagen auch ohne »Zaubervorstellung« zur medizinischen Behandlung eingesetzt. Im 5. Jahrhundert vor Christus wurden Sportler und Kranke auf Geheiß des griechischen Arztes Hippokrates mit duftenden Ölen und Salben massiert. Im »Corpus Hippocraticum«, einer Sammlung von etwa 60 medizinischen Schriften, wird als Therapieform auch die Massage erwähnt.

Massage als Nachbehandlung

Über die römischen Bäder verbreitete sich diese Therapie auch im arabischen Raum. In der christlichen Kultur, in der Lust und Körperlichkeit außerhalb der Ehe unterdrückt wurden, ging das volkskundliche Wissen über Massagetechniken fast verloren. Erst am Ende des 16. Jahrhunderts besann man sich wieder der wohltuenden Behandlung, als Ambroise Paré (vermutlich 1510 – 1590, als Reformator der französischen Chirurgie geltender Arzt) Massagen in der Nachbehandlung von Verletzten anwendete. Im 19. Jahrhundert wurden die Techniken von Per Henrik Ling (1776 –1839), einem schwedischen Heilgymnasten, sowie dem holländischen Arzt Johann Georg Mezger (1839–1901) zu der im

Viele verschiedene Arten der Massagen

Wesentlichen heute noch gültigen Form der klassischen Massage geformt und vom deutschen Orthopäden Albert Hoffa (1859 –1907) in ihren Techniken beschrieben. Auch Sebastian Kneipp (1821 – 1897) ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Die Verbindung von Massage und Psychotherapie beschrieb der deutsche »Badearzt« Georg Groddeck (1866–1934). Im 20. Jahrhundert entwickelten sich sowohl spezielle Formen, die einzelne Körpersysteme ansprechen (z. B. Reflexzonenmassage, Bindegewebsmassage, Lymphdrainage), als auch Methoden, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen (z. B. Biodynamische Massage, Esalen Massage, TouchLife Massage).

Berührung ist existentiell

Berührung ist für die Entwicklung eines Lebewesens von entscheidender Bedeutung. Ashley Montagu, ein vielseitiger amerikanischer Wissenschaftler, wertete zwischen 1940 und 1975 zahlreiche Forschungsergebnisse unterschiedlicher Wissensbereiche auf den Aspekt hin aus, inwiefern sich das Tasterleben über die Haut auf das Gehirn, die Emotionen, das Verhalten und die Gesundheit eines Lebewesens auswirkt. Für Montagu ist Berührung demnach lebensnotwendig. Das seelische Erleben, Fühlen und Empfinden eines Menschen ist über die Haut so viel stärker beeinflussbar als über jede andere Sinneswahrnehmung, so dass Ashley Montagu die direkte Verbindung zwischen Körperkontakt und Emotionen in seiner Formulierung »Unsere Haut hat eine Seele« verdeutlicht hat.

Ein Artikel von Frank Boaz Leder

TouchLife-Schule

Breckenheimerstr. 26 a
65719 Hofheim

www.touchlife.de

 

 

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