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Kategorie: Ressourcenorientierte Arbeit

Wertimagination

Die Grundlage aller Imaginationen ist die assoziative, sprachlich-dialogische Tätigkeit unseres Denkens. Im Unbewussten findet ein kontinuierliches Gespräch in Bildern statt.  Wenn wir zu diesen inneren Bildern Kontakt aufnehmen, dann können wir den inneren Prozess wahrnehmen und uns damit auseinandersetzen.

Anthropologische Voraussetzungen der Wertimagination

Die Methode der Wertimagination ist von Uwe Böschemeyer entwickelt worden als Weiterentwicklung der Logotherapie von Viktor E. Frankl.

Geist, Werte und Sinn, die drei Säulen der klassischen Logotherapie, sind auch Grundlage der Wertimagination.

Bedeutsam für die wertimaginative Arbeit ist die von Frankl begründete Tiefennoologie, der Lehre vom „geistig Unbewussten“. Besonders dieser Bereich des Unbewussten ist Grundlage und Ziel wertimaginativer Arbeit.

Das „geistig Unbewusste“ ist die Quelle der menschlichen Werte wie z.B. Freiheit, Mut und Vertrauen. Das „geistig Unbewusste“ steht für das jedem Menschen potenziell verfügbare Wissen von den Zusammenhängen des persönlichen, des sozialen und des universellen Lebens. Außerdem repräsentiert es das stärkste Energiezentrum, zu dem Menschen Zugang haben können.

 

Wertimagination und Persönlichkeitsbildung
Wertimaginationen sind begleitete, zielorientierte, bewusst erlebte Wanderungen ins Unbewusste, insbesondere zu den Wertgefühlskräften, die ihren Ursprung im geistig Unbewussten haben. Wertimaginationen eröffnen den Zugang zu inneren Wert- und Sinnbildern.

Die  ImaginandInnen werden während der Wertimaginationen von TherapeutInnen oder MentorInnen mit Fragen und Anregungen begleitet, nachdem in einem Vorgespräch ein Ziel (z.B. zum geschützten Raum, zum Ort der Freiheit usw.) vereinbart wurde.

Auch wenn es ein vereinbartes Ziel gibt, werden die Bilder nicht sich bewusst vorgestellt,  sondern sie werden erwartet, indem die ImaginandIn sich der inneren Bilderwelt öffnet.

Dies geschieht nach einer entspannenden, in die innere Stille führenden Einführung, die wie die Imagination im Sitzen stattfindet.

Wertimaginationen sind keine passive Wahrnehmung in einem tranceartigen Zustand, auch keine Phantasiereisen, sondern eher ein aktives Wach-Träumen.

Das Wesentliche der Wertimaginationen ist die Beziehung zu den unbewussten (weiblichen und männlichen) transsubjektiven Gestalten, den Wertgestalten. Sie sind personifizierte Symbolisierungen spezifisch humaner Werte und Eigenschaften des geistig Unbewussten (das personifizierte Vertrauen erscheint als „die Vertrauensvollen“, Freiheit als „die Freien“).

Alle spezifisch humanen Werte und Eigenschaften können als Wertgestalten erscheinen. Ihnen wird meistens die Führung auf den Wegen der Imagination und die Deutung der bildhaften Abläufe überlassen.

Wesentlich während der Imagination ist die existenzielle Begegnung mit den Wertgestalten. Sie schafft eine für die ImaginandIn wahrnehmbare gefühlte Kraft des betreffenden Wertes. Diese Wahrnehmung wird im „Dialog“ mit den Wertgestalten ausgesprochen und benannt. Dadurch kommt es zu einer Integration zwischen Unbewusstem und Bewusstsein.

Wertgestalten sind immer lebensbejahend. Die personifizierte Lebensverneinung wird „der innere Gegenspieler“ genannt. Er ist die personifizierte Symbolisierung des abgespaltenen destruktiv-aggressiven Triebbereichs. Außer den transsubjektiven Wertgestalten gibt es noch die Personifizierungen der individuellen Potenziale (kleine Wertgestalten) und die Personifizierungen der Defizite.

Das Erschließen aller Symbolgehalte vollzieht sich phänomenologisch durch die existenzielle Begegnung zwischen der ImaginandIn und den Symbolen.

Für wen und wann eigent sich Wertimagination
Wertimaginationen werden als zentrale Methode der Wertorientierten Persönlichkeitsbildung und der Wertimaginativen Logotherapie eingesetzt. Wertimaginationen eignen sich aber auch als zusätzliches Werkzeug für andere Beratungs-und Therapieverfahren.

Wertimaginationen werden u.a. eingesetzt bei Selbstwertproblematik, Depression, Burn-Out, Ängsten, Trauer, Verlust, Vergangenheitsbewältigung, Entscheidungsfragen, Schulproblemen, Beziehungskonflikten, zur Identitätsfindung und in der Begleitung von psychosomatischen oder körperlichen Krankheiten.

Wirkung der Wertimagination
Durch das tiefgreifende, ursprüngliche, ganzheitliche Erleben während der Imagination erfahren Klientinnen Selbstheilungskräfte auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene.

Wertimaginationen können die Resilienz stärken, sie ermöglichen die Identitätsfindung, sind sinnstiftend und fördern eine lebensbejahende Einstellung.

Autorin: Edna Westmeier, Diplom-Psychologin

Homepage der Autorin: edna-westmeier.de

Quelle: U. Böschemeyer, "Unsere Tiefe ist hell"
sowie eigene Zusammenstellung

Datum: 24.08.2016

Hintergrund/ Kontext der Wertimagination

Abenteuer mit Happy End: Imaginationen sind eine Quelle, aus der die Menschen seit Urzeiten Kraft und Wissen schöpfen und Heilung erfahren können. Ebenso wie Träume sind auch Imaginationen ein Zugang zum Unbewussten. Das, was wir uns vorstellen und imaginieren, hat eine ähnliche Wirkung wie das, was wir denken oder tun.