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Kategorie: Psychotherapie, Systemische Therapie

 

Systemische Therapie

Grundlagen des systemischen Ansatzes sind die Systemtheorie und der Konstruktivismus.
Als Systemische Therapie (auch Systemische Familientherapie) wird eine psychotherapeutische Fachrichtung beschrieben, die systemische Zusammenhänge und zwischenmenschliche Beziehungen in einer Gruppe als Grundlage für die Diagnose und Therapie von seelischen Beschwerden und zwischenmenschlichen Konflikten betrachtet

Geschichtliches:
Die Systemische Therapie hat viele Gründungsorte, einige Mütter und viele Väter. Entstanden aus familientherapeutischem Denken, entwickelte sie sich in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit haben sich methodischen Vorgehen und zugrunde liegende Annahmen differenziert, so dass sich heute mehrere Schulen voneinander abgrenzen.
Seit Dezember 2008 hat diese Therapieform und ihre Wirksamkeit wissenschaftliche Anerkennung  in Deutschland erfahren.

Beschreibung
Einige wesentliche Ansätze und Schulen:

1. Strukturelle Familientherapie (Minuchin)
Besondere Bedeutung haben Strukturen (Generationen) und Grenzen (z.B. zwischen den Generationen). Wenn Grenzen und Hierarchien in der Familie unklar gehandhabt werden, gilt es, sie in der Therapie wieder herzustellen.

2. Mehrgenerationen-Modell (Boszormenyi-Nagy)
In der generationenübergreifenden Perspektive geht es um die Suche danach, wie Verhalten, Erleben und Symptome Sinn ergeben, wenn man Vermächtnisse aus früheren Generationen berücksichtigt

3.Das Mailänder Modell (Palazzoli)
Ziel ist es, "das Spiel“ der Familie so schnell wie möglich zu erfassen und zu verändern, hierbei spielen eine Rolle

  • Entwicklung des Zirkuläres Fragens
  • Zwei-Kammer-Methode (Klient und Therapeut sitzen räumlich getrennt von einem Co-Therapeuten),
  •  in kurzer Zeit gute Erfolge bei schizophrenen Familienmitgliedernund bei  Essstörungen

4. Familienskulptur (Satir),
Sie gilt als Mutter der Systemischen Therapie - sie entwickelte die Familienskulptur und die Familienrekonstruktion, dadurch können biograhpische und übergenerationale Probleme entdeckt und bearbeitet werden.

5. Familienaufstellen (Hellinger):
Aufstellen eines Inneren Bildes mit Hilfe von anderen Personen (Repräsentanten in der Gruppenarbeit), mit Bodenankern oder ähnlichen Hilfsmitteln (in der Einzelarbeit) im Raum. Mit dem Familienaufstellen können wir Belastungen aus der Vergangenheit erkennen und Lösungen finden.
Hellinger als Initiator dieses Ansatzes geht davon aus, dass es in Familien und auch in anderen Systemen bestimmte Ordnungen gibt, die zum  Gelingen von Beziehungen erforderlich sind. Das Schlüsselwort für die Suche nach der Lösungsdynamik ist der Ausgleich (z.B. Schuld und Unschuld,Geben und Nehmen)

6. Systemaufstellungen
Weiterentwicklung der Familienrekonstruktion und des Familienstellens zu Organisationsaufstellung (Weber), Strukturaufstellung (Sparrer, Varga von Kibéd), Traumaaufstellung (Ruppert), u.a.

7. Lösungsorientierte Kurz-Therapie (de Shazer)
Die Problemstellung und auch die Familie als System tritt in den HInterrgrund. Die Therapie wird als Prozess der Entwicklung und Loslösung vom Problem gesehen. Wichtige Instrumente sind Wertschätzung, Skalierung (Lösungsschritte auf einer skalierten Linie) und die Wunderfrage („Was wäre, wenn du morgen aufwachen würdest und das Problem wäre verschwunden?“)

Vorgehensweisen in der Systemischen Therapie:
Als wichtigster Startpunkt einer systemischen Therapie hat sich eine möglichst präzise Auftragsklärung im Verhältnis von Therapeut und Klient herausgebildet. Sind Ziele konkretisiert und für Klienten/Kunden und Therapeuten akzeptabel, kann die eigentliche Therapie beginnen.
Gebräuchliche Techniken, Interventionen und Methoden sind:

  • Zirkuläre Fragen (zielen auf den vermuteten Standpunkt Dritter ab)
  • Skalenfragen (Verdeutlichung von Unterschieden und Fortschritten)
  • Herausarbeiten von positiven Aspekten von problematischen Sachverhalten
  • Reframing von Sachverhalten, um Bedeutungs- bzw. Interpretationsveränderungen anzuregen
  • Methaphernarbeit, Parabeln, Geschichten als Umgehungstechnik für potentielle Widerstände
  • Skulpturarbeit (Darstellen von Familienbeziehungen als Standbild aus Personen im Raum)
  • Aufstellungsarbeit (Darstellung des inneren Bildes durch Repräsentanten, Bodenankern)
  • Genogramm, Soziogramm (graphische Darstellung von Familiensystemen und sozialen Systemen

Für wen und wann  
Für Menschen,

  • die trotz aller Liebe das Zusammenleben in Freundschaft, Partnerschaft, Ehe schwierig erleben,
  • die sich Sorgen machen um die seelische, geistige oder körperliche Entwicklung ihrer Kinder,
  • die allein leben trotz des Wunsches nach einer Liebesbeziehung
  • die die Beziehungen in ihrer Gegenwarts- oder Herkunftsfamilien trotz bester Absichten als belastend erleben
  • die Klärung suchen bei eigenen seelischen oder körperlichen Störungen oder Krankheiten

Gegenanzeigen
Akute Psychotische Zustände , z.B. bei Schizophrenie, schweren Depressionen, akute Suizidalität

Preise und Bedingungen
Wie in der Familientherapie werden in der Regel eine Maximalanzahl von Sitzungen (meist bis etwa 10) und hinreichend große Abstände zwischen den Sitzungen (selten unter 3-4 Wochen) vereinbart, da davon ausgegangen wird, dass sich die entscheidenden Veränderungen nicht während des Interviews sondern zwischen den Sitzungen vollziehen.

siehe auch: Systemaufstellungen

AutorIn: Charlotte Klauß, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Quelle: Arist von Schlippe, Jochen Schweitzer, Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung, Praxis der Systemaufstellung

Datum: 06.12.2016

Hintergrund/ Kontext
"Die" Systemische Therapie gibt es nicht, sondern darunter ist vielmehr ein Oberbegriff zu verstehen, der viele unterschiedliche Modelle vereint.